Dünn, dünner, am dünnsten

Heute spreche ich ein sehr wichtiges Thema an, das zum Glück schon wieder ein bisschen „out“ geworden ist: Der Magerwahn. Täglich erhalte ich Nachrichten von Frauen, die Tipps zum Abnehmen haben möchten. In letzter Zeit häufen sich allerdings auch die Mails, in denen Frauen um einen Ratschlag, wie sie Gewicht zunehmen können, bitten. Viele meiner Follower wissen, dass ich selbst eine „magere“ Phase durchlebt und mich mit einer Ernährungsumstellung in die „Normalität“ gekämpft habe. Die Ursache der rapiden Gewichtsabnahme hatte durch meine plötzlich auftretenden Nahrungsmittelallergien zwar andere Hintergründe, aber im Grunde genommen habe ich mich Stück für Stück, genauso wie andere Frauen mit einer Essstörung, herunter gehungert. Wenn man sich erst einmal in diesem Teufelskreis befindet, kommt man nur sehr schwer wieder von alleine heraus. Es gab bei mir zwar Tage, an denen ich mir fest vorgenommen habe wieder an Gewicht zuzunehmen und mein Leben zu „regeln“, aber die Angst vor der Zunahme im Unterbewusstsein war wohl stärker. Gerade sitze ich mit einem Stück Schokolade und einem Kaffee vor diesem Beitrag und weiß, dass ich mir früher nie einfach mal so eine Süßigkeit am Nachmittag gegönnt hätte. Inzwischen wiege ich bei einer Körpergröße von 164 cm zwischen 54-55 kg und bin mit diesem Gewicht total zufrieden. Das sind 14 kg mehr als mein niedrigstes Gewicht während meiner extremen „Skinny-Zeit“. Natürlich habe ich immer mal wieder Tage, an denen ich denke, dass es wieder Zeit für eine kleine Diät wäre, weil die eine oder andere Hose zu eng wurde, aber das ist wohl ganz normal.

Da sich viele Leute für das Thema interessieren und ich nicht alle Nachrichten einzeln beantworten möchte, erläutere ich euch in den folgenden Punkten, wie ich auf einem gesundem Weg Gewicht aufgebaut habe. Mir war es sehr wichtig, mich nicht einfach mit Schokolade voll zu stopfen, um an Masse zuzulegen. Gerade weil der Kopf eine sehr große Rolle beim Thema Ernährung spielt, bin ich das Ganze systematisch angegangen. Inzwischen esse ich liebend gerne und frage mich immer noch, was damals genau in meinem Kopf vorging. Ich verstehe es beispielsweise überhaupt nicht mehr, warum ich ein Probleme damit hatte, einen Proteinriegel komplett aufzuessen oder eine große Portion Nudeln am Abend zu verdrücken. Momentan muss ich mich eher bremsen, weil ich jederzeit etwas essen könnte. Aufgrund meiner Vergangenheit habe ich großes Verständnis, wenn ich Menschen mit einer Essstörung sehe und kann mir vorstellen, dass mir deshalb so viele Frauen ihre schlechten Essgewohnheiten schildern und mir auch ihre Probleme anvertrauen. Die Gründe für eine Essstörung können ganz unterschiedlich sein und manchmal sind es nur kurze Phasen, die man ohne große Hilfe von außen selbst wieder in den Griff bekommen kann. Es ist wichtig Schritt für Schritt in einem angemessenen Tempo mehr Kilos auf die Rippen zu bekommen und dies dann auch zu akzeptieren.

Ich würde keinesfalls behaupten, dass ich in meiner mageren Phase allgemein sehr unglücklich war. Das Thema „Figur“ hatte ich viel zu lange ignoriert und aus diversen Gründen nicht bewusst in Angriff genommen, weil ich mit anderen Dingen beschäftigt war, die mir damals wichtiger waren. Als ich jedoch bemerkte, dass meine Freunde und Familie anfingen sich zu sorgen, habe ich mir eine Ernährungsberaterin gesucht und mich beraten lassen. Die Kosten dafür wurden aufgrund meiner verschiedenen Allergien und Unverträglichkeiten zum Glück von der Krankenkasse übernommen. Falls ihr genauso wie ich Probleme mit Nahrungsmittelallergien/Unverträglichkeiten habt, könnt ihr diesen Aspekt bei eurer Krankenkasse ansprechen und nach einer (teilweisen) Kostenübernahme fragen. Nach dem Beratungstermin habe ich mir allerdings meinen eigenen Plan erstellt, da ich mich in Sachen Ernährung sehr gut auskenne.

Seid euch bitte stets bewusst, dass ein dauerhaftes Untergewicht gesundheitsschädlich ist. Die meisten Frauen wissen, wovon ich rede. Ein Aspekt ist die Periode. Sie kann wegen diverser Gründe (Stress, Urlaub etc.) immer mal ausbleiben, allerdings ist die Ursache bei einem unausgeglichenen Hormonhaushalt, wie es bei einem Untergewicht der Fall sein kann, sehr ungesund. Unterernährung kann Jahre später zu Krankheiten wie zum Beispiel Osteoporose und somit zu Knochenschäden führen.

Ein paar kleine Tipps:

  1. Setze dir genaue Ziele mit dem SMART Prinzip: Dies hat mich zwar ein wenig an meinen Deutschunterricht erinnert, aber es ist eine riesige Hilfe um euer angepeiltes Gewicht zu erreichen.
Buchstabe Bedeutung Beschreibung
S Spezifisch Die Ziele müssen eindeutig definiert sein (nicht vage, sondern so präzise wie möglich).
M Messbar Die Ziele müssen messbar sein (Messbarkeitskriterien).
A Ansprechend Die Ziele müssen für die Person ansprechend bzw. erstrebenswert sein.
R Realistisch Das gesteckte Ziel muss möglich und realisierbar sein.
T Terminiert Das Ziel muss mit einem fixen Datum festgelegt werden können.

2. Belohnung: Schreibe dir als nächstes auf, womit du dich belohnst, wenn du ein kleines Stück nach vorne gekommen bist. Es ist wichtig, dass du diese Ereignisse wirklich einhältst und durchführst.

3. Erstelle Dir eine Pro-Contra-Liste: Achte auch darauf, dass du an deine Mitmenschen denkst. Halte dir vor den Augen, dass du mit einem zu niedrigen Körpergewicht deinen Freunden und deiner Familie Sorgen bereitest.

4. Bestelle dir hilfreiche Bücher: Du kannst dir Ratgeber zur Thematik bestellen (Beispiel: „Intuitives Essen“,…), aber auch traurige Bücher mit Erfahrungsberichten, die dich durch die Geschichten der Betroffenen zum Nachdenken bringen (Beispiel: „Engel haben keinen Hunger“, „Hunger Hunger“, „Dann bin ich eben weg“,..).

5. Mache dir bewusst, wie gesundheitsschädlich es ist, untergewichtig zu sein. Gehe am besten zu einem Arzt und lasse einen Hormonstatus machen. Dieser wird wahrscheinlich im pathologischen Bereich tätig sein, so dass du über die Folgen aufgeklärt wirst.

6. Beginne mit Kraftsport, damit du zusätzlich Muskeln aufbauen kannst. Verbiete dir in der Anfangszeit den Cardiosport oder plane dir eine Einheit als Belohnung ein.

7. Steigere deine Kalorienzufuhr mit gesunden Fetten: Anfangs fiel es mir super schwer größere Mengen Fett zu mir zu nehmen und deshalb habe ich beispielsweise jeden Morgen etwas Leinöl in mein Müsli gemischt. Zusätzlich habe ich auf Light-Produkte verzichtet und Snacks mit normalem Quark (anstatt Magerquark) angerührt. Für Gemüse oder aufs Brote habe ich mir pflanzliche Streichcremes angeschafft, welche von den Nährwerten verhältnismäßig etwas fetter als Frischkäse oder ähnliche Produkte sind.

8. Baue gesunde Snacks ein: Wenn dir Obst Portionen für zwischendurch zu viel sind, kann man seine Kalorienzufuhr super mit Smoothies, welche zusätzlich mit Honig oder Agavendicksaft gesüßt sind, erhöhen.

9. Esse mit vertrauten Personen: Da ich beim Kochen gerne mal auf die Verwendung von Fett verzichtet habe, nahm ich vor, ab und zu bewusst in Restaurants essen zu gehen oder mich bei meiner Familie zum Essen einladen zu lassen. In Gesellschaft macht das Essen ja sowieso mehr Spaß. 🙂

10. Selbst ist die Frau: Ich habe das Backen für mich entdeckt. Natürlich habe ich größtenteils zuckerfrei gebacken, aber habe mir so das gesunde Snacken angewöhnt. Auch gesunde Snacks enthalten Kalorien und helfen dir bei der gesunden Gewichtszunahme.

11. Ehrlichkeit: Gehe mit dem Thema bei deinen Freunden und deiner Familie ehrlich um. Somit fällt einem ein Stein vom Herzen und man kann sich helfen lassen. Bei Bedarf sollte zudem ein Therapeut eingeschaltet werden. Heutzutage ist eine Therapie ja schon fast „normal“ und kein Tabuthema mehr in der Gesellschaft.

12. Tracke deine Kalorien: Lade dir eine passende App herunter (Zum Beispiel: MyFitnessPal) und zähle in der Anfangszeit bewusst die Kalorien. Die Makros (Kohlenhydrate, Fett, Eiweiß) müssen natürlich hoch genug angesetzt werden (vor allem bei den Fetten, die für den Hormonhaushalt wichtig sind). So kannst du dich nicht selbst betrügen und nimmst ganz gezielt an Gewicht zu. Ich habe mich so auch eher an „richtige“ Süßigkeiten getraut, da ich gemerkt habe, dass sie perfekt in meinen Tag passen. Du solltest so eine App nur am Anfang benutzen, damit du ein Gefühl dafür bekommst, wie viele Kalorien dein Körper für eine kontinuierliche Zunahme benötigt. Später wirst du ein Gefühl dafür bekommen, wie viele Kalorien du zu dir nimmst.

Inzwischen bin ich froh, dass diese Bilder der Vergangenheit angehören und ich weiß, dass ich niemals wieder dort hin zurück möchte. Ich habe bewusst nur alte Bilder von mir in diesen Beitrag eingefügt, da ihr meine momentane Form bereits von Bildern auf Instagram, (https://www.instagram.com/_healthymichelle/?hl=de) sowie beispielsweise meinem Thailand Beitrag (http://healthymichelle.com/meine-erholungsreise-nach-thailand/) kennt. 🙂

Eure @_healthymichelle

8 Kommentare zu “Dünn, dünner, am dünnsten

  1. Ich finde es super das du so offen mit dem Thema umgehst. Ich kann es nur sehr schwer nachvollziehen wie du dich in deiner Haut gefühlt haben musst. Aber umso mehr freut es mich, dass es dir heute besser geht und du siehst jetzt auch viel gesünder aus als du es damals getan hast, wenn ich das sagen darf 🙂 Das macht bestimmt vielen da draußen Mut.
    Liebe Grüße
    Mary

  2. Hallo liebe Michelle,
    sehr sehr schön und Du kannst wahnsinnig stolz auf Dich sein, aus diesem Magerwahn rausgekommen zu sein! Ich frage mich allerdings, wie sich Dein Kopf und Deine Gedanken damit arrangiert haben. Das Zunehmen durch Zugabe gesunder Fette, Kraftsport etc. ist ja die eine Sache, da muss man knallhart diszipliniert sein und sein Ziel sehr klar vor Augen haben. Aber wenn der Kopf sagt: „Ich möchte natürlich gesund sein, aber eigentlich kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, auch nur ein Kilo zuzunehmen…“ Welch ein Kampf muss da im Kopf abgehen? Das lässt sich meines Erachtens nicht ohne Therapie in den Griff bekommen.

    Ich wünsche Dir sehr, dass Du diese Schiene beibehältst. Denn Du siehst toll aus und kannst vielen jungen Mädchen, die auf die Magerspur geraten, ein großartiges Vorbild sein!!

    Alles Liebe, Eni

  3. Dein Beitrag is ehrlich geschrieben und dadurch kann man sich so gut in deine Lage hineinversetzen. Ich habe auch mal das gleiche Problem wie du gehabt. Ich kämpfe noch immer mit dem Essen, aber eher damit, dass ich Muskelmasse aufbaue. Ich bin durchtrainiert, aber der Rücken und der Bauch hat viel mitgemacht in dieser schweren Zeit.Und ich hoffe, dass endlich mein Booty wächst.

    Kannst echt stolz auf dich sein. Du hast ne tolle Figur und ich bin mir sicher, du wirst immer mehr erreichen.Alles gute weiterhin.
    PS: ich liebe deine Snaps und Stories

    Lg isabella

  4. Ich bin sicher du kannst mit diesem Beitrag einigen Mädels helfen, ist wirklich toll geworden!
    Und natürlich schön, dass es dir inzwischen so gut geht 🙂

  5. Richtig toll, dass du so offen darüber redest! Ich bin mir sicher, dass es vielen Mädchen so geht und du eine echte Hilfe sein kannst 🙂 Toll, dass du es da rausgeschafft hast!

    Liebe Grüße

  6. Toll, dass du so offen darüber schreibst! Damit hilfst du sicherlich vielen, die sich gerade in solch einer Lage befinden 🙂 Mach weiter so!

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